SNSB IT-Zentrum
Website: www.snsb.info
Leitung des SNSB IT-Zentrums: Dr. Stefan Seifert
Das Informationstechnische Zentrum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns ist das institutionelle Repositorium für wissenschaftliche Daten der naturkundlichen Sammlungen und Museen der SNSB. Seine Hauptaufgaben liegen im Management von Bio- und Geodiversitätsdaten unter Nutzung verschiedener informationstechnischer Strukturen. Die Einrichtung gewährleistet eine nachhaltige Kuratierung, Speicherung, Archivierung und Bereitstellung dieser Daten.
Der Auftrag umfasst Forschungsaktivitäten im Bereich der Biodiversitätsinformatik und die Implementierung generischer Informationstechnologien wie einfach zu bedienende Arbeitsumgebungen für den Umgang mit wissenschaftlichen Daten. Die Software wird hauptsächlich nach den Konzepten der Diversity Workbench Entwicklerplattform entwickelt und eingerichtet. Die DWB-Softwarewerkzeuge sind in bio.tools, einem Dienst von ELIXIR Europe, registriert.
Das SNSB IT-Zentrum unterstützt Wissenschaftler und Institutionen mit Dienstleistungen zur Verwaltung des gesamten Datenlebenszyklus, von der Dateneingabe über die dauerhafte Speicherung und Bereitstellung bis hin zur Lieferung von genehmigten und qualitätsgeprüften Daten an nationale und internationale Portale. Der Großteil der Daten wird über das DWB Netzwerk und die Installationen verwaltet.
Molekularlabor
Wissenschaftliche Leitung: PD Dr. Andreas Beck
Im Labor der Botanischen Staatssammlung München wird ein breites Spektrum an Techniken realisiert: Das Labor ist vollständig für molekulare Studien ausgestattet: Extraktion und Lagerung von DNA aus Algen, Pilzen und Pflanzen, PCR-Amplifikation von DNA, Gelelektrophorese und Dokumentation, E. coli-Klonierung von Ziel-DNA-Abschnitten, DNA-Sequenzierung (Licor 4200), Analyse von DNA-Sequenzen einschließlich der Rekonstruktion phylogenetischer Bäume. Außerdem erleichtert ein Gefriermikrotom die Anfertigung von Dünnschnitten von Geweben. Zur Analyse der sekundären Flechteninhaltsstoffe wird eine Dünnschichtchromatographie durchgeführt. Flechtenalgen werden mit Hilfe eines Einzelzellmanipulators in Reinkultur isoliert. Für die Chromosomenzählung wird die Chromosomenspreizung und -bandierung eingesetzt.
Durch laufende Forschung im Molekularlabor ist die Botanische Staatssammlung München an nationalen und internationalen „Barcoding“ -Bestrebungen und Aktivitäten zur DNA-basierten Artidentifizierung beteiligt.

Bibliothek
Die Bibliothek der Botanischen Staatssammlung München wird mit den Bibliotheken der Bayerischen Botanischen Gesellschaft und der Ludwig-Maximilians-Universität, Fakultät für Biologie, Systematik, Biodiversität & Evolution der Pflanzen, zusammengelagert.
Postanschrift und Kontaktdaten Botanische Staatssammlung München
Bibliothek
Menzinger Straße 67
D-80638 München
Phone +49-(0)89-17861-255 or -235
Fax +49-(0)89-17861-195
e-mail: library.bsm@snsb.de
Kontakt
N.N., Bibliothekarin, 1. Stock, Zimmer 131
Öffnungszeiten
Ruhestandsbedingt ist die Bibliothek derzeit geschlossen.
Für besondere Anfragen, insbesondere für prä-Linné‘sche Literatur, wenden Sie sich bitte per E-Mail an uns.
Bestand und Funktion
Die Bibliothek verfügt über ca. 40.000 Medieneinheiten, darunter ca. 500 aktuelle Zeitschriften. Die Hauptaufgabe der Bibliothek besteht darin, eine primäre Literaturquelle für die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die Studenten und die Öffentlichkeit bereitzustellen. Es gibt keine externe Ausleihe: alle Materialien müssen im Haus verbleiben.
Zugang zum Bestand
Die Klassifikation der Literatur erfolgt nach den Grundsätzen des Bibliotheksverbundes Bayern über Gateway Bayern. Weitere Informationen finden Sie im OPAC-Suchsystem der Ludwig-Maximilians-Universität München. Wir sind nicht an die interbibliothekarische Ausleihe angeschlossen, Ausleihanfragen richten Sie bitte an die Bayerische Staatsbibliothek. Die ehemaligen Hauszeitschriften Mitteilungen der Botanischen Staatssammlung München (1958-1991) und Sendtnera (1993-2002) sind online frei zugänglich. Die Hefte der laufenden Reihe Arnoldia veröffentlichen schedae of exsiccatae.
Foto: © Luo Chen
Botanische Fallensteller in Gefahr: ein Viertel aller fleischfressenden Pflanzen weltweit bedroht
Botanische Staatssammlung München
Ein internationales Forscherteam um SNSB-Botaniker Andreas Fleischmann hat den Rote-Liste-Naturschutzstatus und die Bedrohungen für alle bekannten 860 Arten von fleischfressenden Pflanzen im 21. Jahrhundert ermittelt. Diese Pflanzen reagieren besonders empfindlich auf menschengemachte Einflüsse wie Klimawandel, Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Forscher nun in der Fachzeitschrift ‚Global Ecology and Conservation‘ veröffentlicht.
Um die weltweite Bedrohung von fleischfressenden Pflanzen in ihren Lebensräumen beurteilen zu können, hat ein internationales Forscherteam aus Australien, Brasilien und Deutschland alle bekannten 860 Arten von fleischfressenden Pflanzen nach den Rote-Liste-Kategorien der Internationalen Artenschutzkommission (IUCN) für bedrohte Arten klassifiziert. Im Rahmen der Arbeit wurden auch die Verbreitungsgebiete und Lebensräume der Pflanzen flächenmäßig erfasst, sowie Bedrohungen und Aussterberisiken für jede Art ermittelt.
„Durch unsere Arbeit konnten wir 100% aller weltweit bekannten fleischfressenden Pflanzen zu-sammen mit ihrem Rote-Liste-Naturschutzstatus erfassen“, so Seniorautor der Studie, Dr. Andreas Fleischmann, Botaniker an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) sowie dem GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Experte für diese Pflanzengruppe. „Diese Quote ist besonders erfreulich, da wir den Gefährdungsstatus bei den weltweit bekannten ca. 300.000 Blütenpflanzen nur von etwa 10% kennen.“
„Unsere Studie hat gezeigt, dass etwa 25% aller bekannten fleischfressenden Pflanzen heute ein erhöhtes Aussterberisiko haben“, so Dr. Adam Cross von der Curtin Universität in Westaustralien und Erstautor der Studie. „Nach Ländern geordnet finden sich heute die meisten vom Aussterben bedrohten fleischfressenden Pflanzen in Brasilien, gefolgt von Indonesien, den Philippinen, Kuba, Thailand und Australien. Diese Länder tragen eine besondere Verantwortung für den Erhalt der globalen Artenvielfalt von fleischfressenden Pflanzen. Hier handelt es sich vor allem um Arten, die meist nur in einem kleinen Gebiet in diesen jeweiligen Ländern vorkommen“, so Cross weiter.
Fleischfressende Pflanzen können mit ihren umgewandelten Blättern Insekten und andere Klein-tiere anlocken, fangen und verdauen. Die so gewonnenen Nährstoffe verwenden sie für ihr Wachstum. Da fleischfressende Pflanzen natürlicherweise auf sehr nährstoffarmen Böden wachsen, dient ihnen die fleischliche Beikost als Zusatznahrung. Sie sind für ihr Überleben auf solche nährstoffarmen, sauberen und zumeist nassen Standorte angewiesen. Typische Lebensräume sind Moore, sauberen Quellbäche, nährstoffarme Gewässer, tropische Regenwälder oder auch nasse Felsen. Diese Spezialisierung ist für diese Pflanzen allerdings durch menschenge-machte Einflüsse wie Klimawandel, Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung zum Problem geworden.
Global gesehen stellen Flächenverbrauch durch intensive landwirtschaftliche Nutzung und Bauvorhaben die größte Bedrohung dar. Langfristig gesehen, vermuten die Forscher, werden Um-weltveränderungen durch den Klimawandel zum Aussterben vieler fleischfressender Pflanzenarten führen. Ausgeprägte Hitze- und Dürreperioden machen diesen Pflanzen, die auf feuchte Böden und regelmäßige Wasserversorgung angewiesen sind, zu schaffen. Aber auch Umweltverschmutzung und der erhöhte Nährstoffeintrag in die nährstoffarmen Lebensräume der fleischfressenden Pflanzen, und die damit verbundene Überdüngung (Eutrophierung) ist ein kritischer Faktor.
„Fleischfressende Pflanzen können nur auf nährstoffarmen Böden wachsen. Werden diese gedüngt, zum Beispiel mit Stickstoff, sterben diese Nährstoffspezialisten dort aus. Ein Problem ist die flächenweite Überdüngung der Landschaft mit Stickstoff aus der Luft, wie er aus Stäuben von Industrie, Verkehr und Landwirtschaft stammt. Es gibt Orte in Deutschland, in denen regnet jedes Jahr fast 10 Kilogramm Stickstoff pro Hektar auf den Boden – auch in abgelegenen Moor-standorten. Noch in den 1920er Jahren galt diese Menge an Stickstoff als jährliche Volldüngung für landwirtschaftliche Intensivflächen. Heute bekommen auch abgelegene Lebensräume diese Menge flächig ab. Dies wird vor allem für sensitive Spezialisten zum Problem“, so Andreas Fleischmann. “Unsere Studie bildet eine wichtige Grundlage, um die Vielfalt dieser Pflanzengruppe erhalten und schützen zu können.“
Publikation:
Cross, A.T., Krueger, T.A., Gonella, P.M., Robinson, A.S. & Fleischmann, A. (2020). Conservation of carnivorous plants in the age of extinction. Global Ecology and Conservation: e01272. https://doi.org/10.1016/j.gecco.2020.e01272
Kontakt:
Dr. Andreas Fleischmann
Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel: 089 17861 240
E-Mail: fleischmann@snsb.de

Ein einzelnes verbliebenes Exemplar der Kannenpflanze Nepenthes neoguineensis in einer durch Bergbau zerstörten Region auf Papua-Neuguinea. Foto: Dr. Alastair Robinson, Royal Botanic Garden Victoria, Australien. 
Beispiele von bedrohten fleischfressenden Pflanzen aus Südost-Asien, Europa, Australien, Brasilien und den USA. Fotos: Dr. Alastair Robinson, Royal Botanic Gardens Victoria, Australien, BSc. Thilo Krueger, Curtin University, Australien, Dr. Andreas Fleischmann, SNSB-BSM München.